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Xylit – Xylitol – Zuckerersatz und ZahnpflegeDrucken

Xylitol gehört zu den interessantesten Stoffen, welche die Industrie in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Der Stoff wird nicht nur als Zuckerersatz, sondern auch in der Kariesprophylaxe eingesetzt. Eine Jubelmeldung ereilt die andere, was bei mir das Bedürfnis nach differenzierter Betrachtung hervorruft.

Es handelt sich hierbei um Pentanpentol oder E 967. An sich ist das ein Zuckeralkohol, welcher von Pflanzen aber auch von Menschen im natürlichen Stoffwechselprozess gebildet werden kann. Das ist auch sein großer Vorteil, denn dadurch kann ihn unser Körper aufnehmen und verwerten. Die Herstellung ist allerdings ein aufwendiger industrieller Prozess und das ist eher ein Nachteil.

Der Ausgangsstoff für die Xylitolproduktion war lange Zeit der Holzzucker (kommt in Birkenholz, Stroh, Kokosnüssen oder Maiskolben vor) und ist an sich ein Abfallprodukt der Papierherstellung. Dieser Prozess ist aufwendig und relativ teuer. Da die Nachfrage von Jahr zu Jahr gestiegen ist, wurden Alternativen gesucht und auch gefunden. So ist es heute schon möglich Xylitol aus Glukose herzustellen. Das wurde dem menschlichen Zuckerstoffwechsel abgeschaut, wobei mit Unterstützung bestimmter Enzyme (Amylase, Glukose-Isomerase, Pullulanase, etc.) Xylitol entsteht.

Das ist soweit sehr in Ordnung, allerdings stellt sich die Frage, woher kommen die Stoffe für den Produktionsprozess? Die Glukose wird üblicherweise aus Maisstärke gewonnen, die natürlich auch von gentechnisch verändertem Mais stammen kann. Es gibt zwar eine Kennzeichnungspflicht von Zusatzstoffen, die direkt aus der Stärke von gentechnisch verändertem Mais hergestellt wurde, jedoch nicht zwangsläufig für Zusatzstoffe, die über verschiedene Zwischenprodukte aus der Stärke produziert wurden, und das ist bei Xylitol der Fall. Darüber hinaus kommen die benötigten Enzyme leider hauptsächlich aus gentechnisch veränderten Mikroorganismen – auch hier gibt es keine Kennzeichnungspflicht.

Xylitol aus GVOs

Die Entwicklung schreitet voran und so ist es heute schon möglich, Xylitol direkt von gentechnisch veränderten Bakterien erzeugen zu lassen. Diese wurden so verändert, dass sie praktisch nichts mehr anderes machen als Xylitol zu produzieren. Dieses Verfahren ist noch Geheimnisumwoben und die vorhandenen Informationen sind sehr spärlich.

Eigenverantwortung

Wenn es dir wichtig ist Xylitol zu verwenden, so empfehle ich, direkt mit dem Produzenten in Kontakt zu treten um eventuelle Unklarheiten zu beseitigen. 

Einsatzgebiete und Wirkungsweise

Xylitol eignet sich vorzüglich als Zuckerersatz, denn seine Süßkraft ist ähnlich der des Zuckers. Im Vergleich mit anderen Ausgangsstoffen wie Aspartam und Saccharose schneidet Xylitol sehr gut ab, da er keine negativen Nebenwirkungen aufweist und insulinunabhängig verstoffwechselt wird (Achtung bei Hunden, da ist es genau umgekehrt!). In größeren Mengen genossen kann er aufgrund seiner wasserbindenden Eigenschaft leicht abführend wirken.

Beim Süßen gilt grundsätzlich – egal womit – weniger ist mehr, denn die geballte Süßkraft kommt so in der Natur nicht vor und muss erst dank der Industrie gewonnen werden. An dieser Stelle möchte ich an Prof. Kollath (1892-1970) erinnern, einer der Vorreiter der gesunden Ernährung, der schon vor vielen Jahrzehnten in seinem Buch  Die Ordnung unserer Nahrung auf die Unterscheidung zwischen Lebensmitteln und Nahrungsmitteln hingewiesen hat. Wertvoll für uns sind Lebensmitteln, die unverarbeitet sind oder maximal mechanisch oder fermentativ verändert wurden. Sobald ein Lebensmittel über 42 Grad erhitzt wird oder pasteurisiert bzw. auf andere Weise haltbar gemacht wird, wird es zum Nahrungsmittel und für den Stoffwechsel eher wertlos oder sogar belastend. Da Xylitol industriell hergestellt wird gilt eher Vorsicht gelten zu lassen.

Fazit

Xylitol bietet für Menschen viele Vorteile, nicht nur als Zuckeraustauschstoff, sondern auch in der Mundhygiene. Zurzeit sind keine negativen Wirkungsweisen bekannt. Sein Vorteil liegt darin, dass unser Körper ihn selbst herstellen kann und somit dem Stoffwechselgeschehen kein unbekannter Stoff und daher gut verwertbar ist. Trotzdem muss es uns klar sein, dass Xylitol nicht auf den Bäumen wächst oder angebaut werden kann und daher mit Mutter Natur nur am Rande zu tun hat. Die Entscheidung liegt wie immer bei Dir!

 

Quellen:

  • http://www.zentrum-der-gesundheit.de/xylitol-ia.html
  • Isokangas P et al., “Occurrence of dental decay in children after maternal consumption of xylitol chewing gum, a follow-up from 0 to 5 years of age.” J Dent Res. 2000 Nov;79(11):1885-9.
    (Auswirkungen von Xylit-Kaugummis während der Schwangerschaft auf die Zähne der Kinder)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • Mattila PT et al., “Improved bone biomechanical properties in xylitol-fed aged rats.” Metabolism. 2002 Jan;51(1):92-6.
    (Verbesserung der biochemischen Eigenschaften von Knochen in Ratten, die mit Xylitol gefüttert wurden)
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  • Mattila PT et al., “Increased bone volume and bone mineral content in xylitol-fed aged rats.” Gerontology. 2001 Nov-Dec;47(6):300-5.
    (Gesteigertes Knochenvolumen und höherer Mineralstoffanteil in Ratten, die mit Xylitol gefüttert wurden)
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  • Dunayer EK “Hypoglycemia following canine ingestion of xylitol-containing gum.” Vet Hum Toxicol. 2004 Apr;46(2):87-88.
    (Auswirkungen von Xylitol auf Hunde)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • Campbell A, Bates N. “Xylitol toxicity in dogs.” Vet Rec. 2010 Jul 17;167(3):108.
    (Die Giftigkeit von Xylitol in Hunden)
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  • Mäkinen KK. „Sugar alcohols, caries incidence, and remineralization of caries lesions: a literature review.” Int J Dent. 2010;2010:981072. Epub 2010 Jan 5.
    (Zuckeralkohle, Karies Häufigkeit und Remineralisierung bei Karies: Ein literarische Zusammenfassung)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • Söderling E et al., “The effect of xylitol on the composition of the oral flora: a pilot study.” Eur J Dent. 2011 Jan;5(1):24-31.
    (Die Auswirkungen von Xylitol auf die Mundflora: Eine Pilotstudie)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • Trahan L. “Xylitol: a review of its action on mutans streptococci and dental plaque–its clinical significance.” Int Dent J. 1995 Feb;45(1 Suppl 1):77-92.
    (Xylitol: Eine Zusammenfassung seiner Wirkung aufStreptococcus mutans und den Zahnbelag)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • Lynch H, Milgrom P. “Xylitol and dental caries: an overview for clinicians.” J Calif Dent Assoc. 2003 Mar;31(3):205-9.
    (Xylitol und Karies: Ein klinischer Überblick)
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
  • transGEN-Datenbank: Xylit
    [Quelle als Link]  [Quelle als PDF]
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Kommentare

One Response to “Xylit – Xylitol – Zuckerersatz und Zahnpflege”

  1. Lukas Filz sagt:

    Toll recherchierter Artikel!!
    Danke!!

    Ich finde, Xylit hat auch eine leicht blähende Wirkung (zumindest bei mir), aber die Kinder vertragen es gut. Und zur Zahnpflege muss man es ja nicht schlucken.

    Zahnärzte – 3 habe ich dazu gefragt – reagieren eher zurückhaltend darauf. Das ist aber auch nicht verwunderlich, oder?